De En

JOSEPH HAYDN
ORLANDO PALADINO

DIE IDEE

« Orlando Paladino oder Pasquales Geheimnis:
Ein dramma eroicomico? »

Ein Ritter, Orlando, liebt vergeblich eine Prinzessin, Angelica, trachtet ihr und dem Rest der Welt blind vor Leidenschaft nach dem Leben. Angelica liebt aber im wahrsten Sinne des Wortes einen Looser, Medoro, ebenfalls ein Ritter. Wieder ein anderer Kämpfer, Rodomonte, seines Zeichens König der Barbaren, hat noch eine Rechnung mit Orlando offen, schreckt aber nicht davor zurück, seinen Weg bis dahin mit Leichen zu pflastern. Soweit zum heroischen Teil dieses Dramas. Dazwischen agiert Pasquale, Orlandos Knappe, ein Sancho Panza, der immer wieder auf seine unverwechselbar komische Art die Handlung dirigiert. Nur einem Joseph Haydn, dem Spiritus Rector des musikalischen Scherzes und verkannten Operngenie, gelingt es, das wohl berühmteste Libretto jener Zeit auf unvergleichliche Weise so „operesk“ zu inszenieren.

 

DIE INSZENIERUNG

« Monty Python »

Während ich mich auf die Oper Orlando Paladino vorbereitete, bestellte ich mir jede Menge Literatur zu diesem Thema. Als die Bücher geliefert wurden, verstand ich sofort, warum diese Oper so lange ist. Zwei Bücher beschreiben alleine die mühselige Odyssee eines Liebenden, der seiner alten Liebe nachhängt. Die Tatsache, dass Haydn fähig war, aus diesem Thema eine ganze Oper zu machen, ist ein Wunder für sich!

Jedoch, wir leben nicht im 16. Jahrhundert, einer Zeit voller Ritter, Adelsfrauen und Hexen. Wir leben in einer Welt, in der alle Dinge klar definiert sein sollten.
Haydn ist ein enthusiastischer und gehobener Geschichtenerzähler. Er ermöglichte es uns, diese Geschichte weiterzuerzählen, und Michael Fendre hatte zum Glück auch die Courage, überflüssige Passagen herauszunehmen und der Handlung klare Umrisse zu geben.

Es ist eine leicht zu erzählende Geschichte: Ein Ritter folgt seiner großen Liebe, die ihn für einen anderen verlassen hat. Der Ritter macht seine Angebetete tat­sächlich ausfindig und möchte ihren neuen Kerl herausfordern. Glücklicherweise hilft da eine gute Zauberin, sie setzt sich für die Liebenden ein und beeinflusst so das Geschehen. Das Resultat lässt sich erahnen!

Eine weitere Liebesgeschichte kreuzt die Handlung: Nämlich jene zwischen dem Knecht des Ritters und einer Schäferin. Schließlich irrt da noch ein wütender Ritter, dem großes Unrecht zugestoßen zu sein scheint, durch die Handlung.
Können Sie noch folgen? Drei Handlungsstränge vermischen sich und schaffen erfolgreich völliges Chaos.

Oftmals schlug ich meine Hände über dem Kopf zusammen, denn wie um alles in der Welt sollte ich dem Publikum diese Oper vermitteln? Traditionell oder in mei­ner eigenen Interpretation?

Während ich die Bücher las und Haydns Musik anhörte, schwirrte mir eine Gruppe von Schauspielern durch den Kopf, die in Europa auf spezielle Weise rockte und schockte: Die britischen Monty Python, deren absurde Herangehensweise und spezieller Humor, Geschichten zu präsentieren, eben wie jene von Orlando Paladino, wohl einzigartig ist. Der Humor in Orlando Paladino findet sich in der Suche nach und im Kampf um eine Liebe, die jedoch schon verloren zu sein scheint.
Denken Sie an spielende Kinder; sie treten auf und ab, je nach Charakter. Sie gehen weg, weil sie einfach nicht einverstanden sind, weil sie sich gerade nicht äußern oder einfach nicht mehr spielen wollen. Sie sind auf der Bühne als Sänger, beziehungsweise als Träger der Geschichte.

Der Punkt ist einfach, sich selbst in der Rolle zu verlieren und es vollkommen zu genießen, einmal der Bösewicht, der Außenseiter oder die Prinzessin zu sein.
Die Bühne besteht aus Kisten und Schachteln, die wir verwenden können, um jede nur erdenkliche Szene und jede Welt, welche die Oper erforderlich macht, zu bauen – wie wir es eben auch als Kinder gewohnt waren.

Die Kostüme scheinen zu groß zu sein und tatsächlich sind sie es auch. Die Darsteller sind wie Kinder, die es lieben, sich die Kleider ihrer Eltern und Großeltern anzuziehen.

Wir haben uns so einen Ort geschaffen, um unsere Hemmungen über Bord zu werfen und in unsere Vorstellungskraft einzutauchen.

Vincent van den Elshout, Inszenierung

 

DAS BÜHNENBILD

« Die Lösung ist ein Anti-Set »

1. Akt Szene 1 - eine Berglandschaft/ Szene 2 - Angelikas Burg/ Szene 3 - Ein Wald / Szene 4 - Ein Garten mit einem Brunnen / Szene 5 Eine Höhle / Szene 6 - Ein lieblicher Garten / 2. Akt Szene 1 - Eine Höhle / Szene 2 - eine ebene Weite am Meer / Szene 3 - Ein Raum in einem Schloss / Szene 4 - Alcinas Zaubergrotte / Akt 3 Szene 3 - Die Unterwelt am Fluss Lethe, die Elysischen Felder dahinter / Szene 2 - ein Raum in einem Schloss / Szene 2 - Ein Wald / Szene 3 - Ein Hof

Orlando Paladino: Eine jener Opern mit Dutzenden Szeneriebeschreibungen im Libretto. Wie gestaltet man eine gebirgige Landschaft, einen geschmackvollen Garten, eine Zaubergrotte, einen Wald oder die Unterwelt am Fluss Lethe, wenn die Mittel begrenzt sind und die Produktion von einer Station zur anderen den Kontinent bereist, um in den verschiedensten Theatern – sowohl winzig als auch gigantisch, vollkommen ausgestattet wie auch leer – aufgeführt zu werden? Ohh, wie lieben wir diese Anforderungen! Denn je mehr Anforderungen gestellt werden, desto mehr müssen wir unsere Vorstellungskraft einsetzen und können das Publikum dazu bewegen, die seine zu aktivieren. Und nicht zuletzt ist es genau das, was Theater ausmachen soll!

Die Lösung ist ein Anti-Set. Regisseur Vincent van den Elshout wollte die Oper mit einer leeren Bühne beginnen lassen. Das ganze Universum sollte sich entwirren, während das Publikum zusieht. Er wollte die Sänger aktiv in die szenischen Umbauten einbinden, er wollte, dass sie wie Kinder das Bühnenbild aus Bausteinen zusammenstellen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Als Vincent meinte, dies alles erinnere ihn an Monty Python, gab es kein Zurück mehr!

Kinder lieben es, Schuhe und Kleider von Erwachsenen anzuziehen, Kleider, die eigentlich nicht für ihren Körperbau geschnitten sind. Eine Tischdecke, eine Schnur, ein Stück Karton – und schon geht es los auf Abenteuersuche um die Couch herum oder unter den Tisch. Die Umrisse auf der Bühne wirken grotesk, sie haben einen komischen Aspekt, doch rühren sie in ihrer Einfachheit. Dies mag eine Oper sein, doch unsere süße Angelica stickt mitnichten Blumen! Sie näht die Teile ihres Kleides wieder zusammen, nachdem ihr Pasquale die Schleppe heruntergerissen hat. Einmal über das Ziel hinausgeschossen, kehrt die Zärtlichkeit wieder in die Handlung zurück. Ein tröstender Gedanke, dass, eine Krone auf das Haupt gesetzt, schon eine Königin aus mir macht oder dass mich eine Schachtel, über den Körper gestülpt, in einen Ritter verwandelt, solange ich nur fest daran glaube!
30 Schachteln in sechs verschiedenen Größen. Mit einer blauen Seite für den Fluss Lethe, den Springbrunnen und den Himmel. Mit einer grünen Seite für den Wald, die Felder und die Grotte. Und mit grauen Seiten für den Turm, das Schloss und die Zauberhöhle. Nach der Show verpacken wir alle Kostüme und Requisiten, die Instrumente und das Licht, wir schließen die Deckel und befördern die Schachteln zu Orlandos nächstem Abenteuer.
Als Bühnenbildnerin betrachte ich es als meine Aufgabe, für den Regisseur einen Spielplatz und für den Lichtdesigner Spielsachen zu erschaffen. Eva Eleonore Beys und Alessandro Ranno ließen meine Designs magische Wirklichkeit werden. Vincent van den Elshout und Ace McCarron werden das Wunder vollbringen, mein Design zum Leben zu erwecken. Es wird eines jener verrückten Abenteuer, die wir niemals vergessen werden!

Emilie Lauwers, Kostüme und Bühnenbild

 

DIE DOWNLOADS

Das Libretto

Die Inhaltsangabe

Hintergrund Orlando Paladino

Das Opern-Projekt Orlando Paladino